Europa als Sandburg

Es ist jetzt ein paar Jahre her, dass ich mit meinen Kindern auf Spielplätzen rumsaß. Dort üben die Kleinsten nicht nur ihre Fähigkeiten, mit Sand zu bauen, sondern auch ihre sozialen Kompetenzen. Oft unter Anleitung ihrer Eltern: "Du darfst dem Jungen die Schaufel nicht wegnehmen!" Gelegentliche Antwort von entspannten anderen Eltern: "Doch, der kann sich die Schaufel ruhig mal ausleihen."

Entspannte Eltern? Vorbei. Europa kommt mir gerade vor wie ein Spielplatz, bei dem böse Eltern das Wort übernehmen. "Guck mal, das da sind Schmuddelkinder. Die wollen dein Spielzeug klauen! Die stinken und die dürfen nicht auf unseren Spielplatz! Jawoll, schubs' sie!" Kinder, die versuchen, die "Schmuddelkinder" zu beschützen, werden von anderen Kindern ausgelacht und angespuckt.

Manche Eltern, die bisher entspannt waren, bekommen große Augen und versuchen mit den neuen Eltern mitzuziehen, damit sie nicht vor ihren Sprösslingen als Weicheier dastehen. "Äh, ja, das sind Schmuddelkinder, jedenfalls manche, natürlich nicht alle, aber die haben hier nichts zu suchen!"

Regeln, die in langen Jahrzehnten auf dem Spielplatz erarbeitet wurden, weichen der Angst davor, nicht wieder (als Spielplatz-Aufsichts-Eltern) gewählt zu werden. Dass die alten Eltern beim Nachmachen selber ihre Glaubwürdigkeit verlieren, merken sie oft zu spät. Dabei schmunzeln die neuen Eltern gehässig.

Kinder aus anderen Stadtteilen werden beim Versuch, unseren Spielplatz zu erreichen, schon mal auf den Straßen um den Spielplatz herum von Autos überfahren. Das wird in der allgemeinen Aufregung von Kindern und Eltern auf dem Spielplatz gerne ausgeblendet oder unter "selbst schuld" abgebucht. Die gehören ja nicht hierhin. Sollen die doch in ihren eigenen Stadtteilen spielen!

Manche Kinder sagen leise: Die "Schmuddelkinder" haben in den anderen Stadtteilen gar keinen Sand, keine Klettergeräte, kein Spielzeug. Da sind nur Fabriken, in denen sie Tag und Nacht arbeiten, damit sie überhaupt etwas zu essen bekommen. Und was stellen sie da her? Spielzeug für unseren Spielplatz ...

Aber auf unserem Spielplatz geht die Angst um, dass er zu klein werden könnte. Manche der neuen Eltern wollen jetzt Stacheldrähte am Rande des Spielplatzes hochziehen.

Seit wann ist das eigentlich "unser" Spielplatz? Welche Regeln sind uns am wichtigsten auf diesem Spielplatz - und: in dieser Stadt?

Soll es nicht vielleicht eine Stadt werden, in der alle frei zwischen Stadtteilen und Spielplätzen wechseln können, weil sie überall gleiche Chancen haben? Eine Stadt, in der niemand Angst haben muss, unterwegs überfahren zu werden? Eine Stadt mit vielen Spielplätzen und vielen entspannten Kindern und entspannten Eltern ...

Ich möchte den Kindern zurufen: Keine Angst vor den Schmuddelkindern! Und allen: Keine Angst vor den bösen Eltern! Denn nur die Angst macht sie stark.

Entspannte Eltern an die Macht!

Eddi Hüneke nachdenklich.jpg

Lass es dir gut gehen, und anderen auch - herzlich

Eddi Wise Guys Unterschrift.png
 

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